Klimabedingter Scheifeiskollaps: wie das antarktische Ökosystem reagiert.

„Census of Antarctic Marine Life (CAML)“
„Evolution and Biodiversity in the Antarctic (EBA)“

Dr. Julian Gutt

In den Jahren 1995 und 2002 brach an der Antarktischen Halbinsel das Larsen-A/B-Schelfeis ab, das ungefähr zehnmal so groß war wie Berlin. Dabei handelt es sich um einen für die Antarktis typischen Lebensraum, der wegen seiner bisherigen Unzugänglichkeit vielleicht der weltweit am wenigsten bekannte marine Lebensraum überhaupt ist. Als wesentlicher Beitrag zum IPY-Projekt "Census of Antarctic Marine Life", einer Art Volkszählung aller mariner Organismen, wurde dieser meeresbiologische „weißer Fleck“ erstmalig ökologisch erforscht. Zu der am Meeresboden sehr verarmten Lebensgemeinschaft gehören Filtrierer, die auf Nahrung angewiesen waren, die von ihrem Entstehungsort über viele Kilometer dorthin gedriftet ist (Abb. Gutt_1). Durch diese lange Distanz kann die Ähnlichkeit der Unterschelfeis-Fauna mit der der Tiefsee erklärt werden. Während der Untersuchungen mit „Polarstern“ nutzte das internationales Wissenschaftlerteam außerdem im Rahmen vom „IPY - Evolution and Biodiversity in the Antarctic“ die einmalige Chance, die Reaktion des Ökosystems auf die drastische Änderung der Umweltbedingungen durch den klimabedingten Schelfeiskollaps zu untersuchen. Am Meeresboden wird eine dort angestammte Fauna zunächst durch schnellwüchsige Pionierarten, z.B. Seescheiden (Abb. Gutt_2) und junge Schwämme abgelöst. Im offenen Wasser kommen bereits Krill und pelagische Fische vor, deshalb haben auch Robben und Zwergwale diesen Lebensraum für sich erschlossen. Mittelfristig wird hier Klima-bedingt ein einzigartiges sehr armes Ökosystem durch ein produktives und reicheres (Abb. Gutt_3), ersetzt.

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  • Große Schwämme unter dem Schelfeis
  • Seescheiden können sehr schnell neue Lebensräume besiedeln
  • Eisbedeckte Gebiete stellenweise sehr reich an Arten und Biomasse