Friday, 27. February 2009

Abschluss des Polarjahres

Autor: Reinhard Dietrich

Reinhard Dietrich (Vorsitzender der deutschen Kommission für das Internationale Polarjahr 2007/2008)

Das Internationale Polarjahr 2007/2008 reiht sich würdig in die Abfolge vorangegangener Polarjahre ein. Wie schon 1882/83, 1932/33 und im Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/58 wurden umfangreiche Expeditionen in die Polargebiete entsandt, um komplexe Forschungsarbeiten durchzuführen. Dabei hat Deutschland wichtige Beiträge leisten können.

Dieses Internationale Polarjahr ist insbesondere dadurch charakterisiert, dass nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die breite Öffentlichkeit und die Politik inzwischen erkannt haben, welch starke globale Auswirkungen von vielen natürlichen Prozessen in den Polargebieten ausgehen. Schmilzt das Eis an den Polen, so sind alle Küsten vom Meeresspiegelanstieg betroffen. Auch Änderungen in der Dynamik von Atmosphäre und Ozean sind in ihren Wirkungen global. Mehr noch: Wenn wir heute modellieren wollen, wie sich das Klima ändert, so benötigt man auch Informationen, welche Klimaänderungen in früherer Zeit aufgetreten sind. Hier beherbergen die Polargebiete mit den Eisschilden einzigartige Klimaarchive, die es weiter zu erschließen gilt. Wie in geologischer Vergangenheit reagieren die Polargebiete auch heute besonders sensibel auf Änderungen der Umwelt. Wir können sie sozusagen als Frühwarnsysteme ansehen, bei denen sich früher als in anderen Regionen der Erde Auswirkungen des Klimawandels zeigen.

Auch die Entstehung der polaren Vereisung selbst durch die Verschiebung der Kontinente und die Ausbildung entsprechender ozeanischer Zirkulationssysteme bedarf immer noch gründlicher Erforschung. Als Folge der Vereisung der Pole vor vielen Millionen Jahren haben sich dort hoch spezialisierte und sensibel reagierende Lebensformen entwickelt, deren Lebensweise und Funktion bis heute nur lückenhaft bekannt sind und daher ebenfalls gründlich erforscht werden müssen.

Polarexpeditionen benötigen eine solide logistische Basis. Forschungsstationen, Eisbrecher, Flugzeuge und Hubschrauber bilden die unabdingbare Grundlage für die Forschung selbst. Hier hat Deutschland, insbesondere mit seinen Stationen in Arktis und Antarktis, den Forschungsschiffen und Flugzeugen solide Grundlagen einbringen können, die für die Durchführung der interdisziplinären und internationalen Forschungsprojekte des Polarjahres unerlässlich waren. Mit ihrer Hilfe und moderner Messtechnik konnte eine Fülle neuer Informationen gewonnen werden.

Nunmehr, am Ende des Internationalen Polarjahres 2007/2008, beginnt für die Wissenschaft die eingehende Analyse aller Daten und Proben, die unter den rauen Bedingungen der Polarnatur gewonnen wurden. Es wird noch viel Mühe notwendig sein, daraus fundierte, gesicherte neue Erkenntnisse zu gewinnen. Erste Schritte sind bereits getan und werden in dieser Schrift vorgestellt. Die Bedeutung der Polarforschung für eine nachhaltige Gestaltung unserer Zukunft wird dabei offensichtlich.


Prof. Dr. Reinhard Dietrich
Vorsitzender der deutschen Kommission
für das Internationale Polarjahr 2007/2008


Dieser Beitrag ist zugleich das Vorwort in der im Februar 2009 erschienenen Broschüre:
„Internationales Polarjahr 2007/2008, Der deutsche Beitrag, Polarforschung in globaler Verantwortung“
(Eine PDF-Datei der kompletten Broschüre erhalten Sie hier…)

 

Informationen zur deutschen Abschlussveranstaltung vom 27.2.2009 erhalten Sie hier ...

 



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