The Operation of International Trade in Iceland and Shetland (ca. 1400-1700)

OITIS ist ein internationales archäologisches Forschungsprojekt, das den Handel hansischer und englischer Kaufleute mit Island und den Shetlandinseln im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit untersucht. An deren Küsten entstanden zahlreiche Handelsniederlassungen, von denen aus der begehrte Stockfisch nach Europa transportiert wurde. In vielen Fällen sind ihre Ruinen obertägig noch gut erhalten. Im Zuge des Projekts werden sie mit Hilfe von Ortsnamen, Schriftquellen, historischen Karten und Luftbildern ausfindig gemacht und anschließend bei Surveys im Gelände lokalisiert. Dreidimensionale Geländemodelle entstehen und einige ausgewählte Fundorte werden ausgegraben, um diesen wichtigen Aspekt europäischer Wirtschaftsgeschichte vor dem Hintergrund der europäischen Expansion nach Nordwesten zu erforschen.
Sowohl Island als auch die Shetland Inseln waren mit einem Netz kleiner hansischer Handelsstützpunkte überzogen. Die Kaufleute errichteten an allen Küstenabschnitten, die mit dem Schiff erreichbar waren, kleine Stationen, die auch für die Isländer und Shetländer gut erreichbar waren. Diese Siedlungen bestanden aus Einfriedungen, Schiffsanlegestellen und einigen wenigen Gebäuden, in denen die Waren lagerten und Personen den Sommer über leben konnten. So errichtete z. B. im Jahre 1582 der Hamburger Kaufmann Simon Harriestede in Gunnister, Shetland, eine solche Station, die er in den folgenden zwanzig Jahren jeden Sommer regelmäßig anlief. Ihre Überreste wurden im Zuge des Projekts bereits ausgegraben. Simons Schiff war Bestandteil des regen Schiffsverkehrs, der im späten Mittelalter zwischen deutschen Hansestädten und den Zielen im Nordatlantik statt fand.
Die Anwesenheit der fremden Kaufleute hatte für Island und Shetland bedeutende wirtschaftsgeschichtliche und kulturelle Konsequenzen. Der Stockfischhandel ermöglichte ein Wirtschaftswachstum auf den Inseln, die vorher nur wenig Kontakt zu Europa hatten. Dadurch verloren sie im späten Mittelalter ihre periphere Lage und waren nun ein Teil Europas geworden.  
Ansprechpartner: Dr. Natascha Mehler, Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Frankfurt am Main (natascha.mehler@univie.ac.at)
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