Das IPY-Projekt SYSTCO

Im November 2007 kamen etwa 50 Wissenschaftler in Kapstadt zusammen, um an einer ungewöhnlichen Expedition teilzunehmen, die bis Anfang Februar 2008 dauern sollte. Das Besondere daran war, dass ein Teil der Expeditionsteilnehmer in der Wassersäule arbeiten sollte und ein anderer Teil auf dem Meeresboden. In der Vorbereitungsphase gab es mehr als genug Skeptiker, die davon abrieten, Forscher aus diesen beiden sehr unterschiedlichen Welten auf einem Deck zu vereinigen.
Die Expedition SYSTCO hatte das Ziel, eine Planktonblüte aufzuspüren, ihren Verlauf zu verfolgen und nach dem Absterben der Algenzellen das Absinken des so genannten marinen Schnees bis zum Auftreffen auf dem Meeresboden in 4500 m Tiefe zu protokollieren, um dann herauszufinden, wie die benthischen Lebensgemeinschaften auf diesen Puls von Nährstoffen reagieren. Man nennt diesen Prozess benthopelagische Kopplung. Er ist in der Tiefsee besonders interessant, weil der marine Schnee die ausschließliche Energiequelle für das abyssale Benthos ist (abgesehen von chemosynthetischen Gemeinschaften wie die der Hydrothermalquellen). Das kann zum Beispiel auch heißen, dass etwaige Klimaveränderungen sich auf dem Boden der Tiefsee besonders direkt auswirken.
Trotz schlechten Wetters und erheblichen Zeitverlustes durch die schwierige Erfüllung von logistischen Aufgaben wurde diese Expedition von Erfolg gekrönt. Nicht zuletzt konnte bewiesen werden, dass mit etwas gutem Willen zur Kooperation sehr wohl Plankton- und Benthosspezialisten auf demselben Deck arbeiten können- eine für alle inspirierende Erfahrung! Eine der geplanten Stationen konnte auch tatsächlich vor und nach einer Planktonblüte beprobt werden, und mit sehr feinen Sonden konnte erhöhte biologische Aktivität in situ im Sediment gemessen werden. Nun werden ausgesuchte Organismen vom Tiefseeboden mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Methoden untersucht, um herauszufinden, wie der organische Schnee sich auf das Fressverhalten auswirkt.

Mehr über SYSTCO...

 

  • Proben aus dem Abyssal werden vorsichtig in Gefäße gefüllt
  • Ankunft an der etwa 25 m hohen Schelfeiskante
  • Lebhaft gefärbter Borstenwurm unter dem Eis gefangen