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Zum Nordpol auf einer Eisscholle - Die Expedition NP-35

Sieben Monate auf Fahrt durchs Nordpolarmeer ohne Schiffsantrieb und ohne Route: die Nordpol-Driftstation NP-35 ist ein außergewöhnliches Projekt im Internationalen Polarjahr 2007/08.

 

Ende August 2007 ist eine ungewöhnliche Expedition unter russischer Leitung ins Nordpolarmeer gestartet. Ein 21-köpfiges Wissenschaftlerteam wurde auf einer Eisscholle ausgesetzt und ist mit der Strömung durch die zentrale Arktis gedriftet. Mit dabei war Jürgen Graeser von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. Zusammen mit seinen russischen Kollegen hat er Messwerte aus einer Region gewonnen, die normalerweise in der Polarnacht unzugänglich und daher weitgehend unerforscht ist. Die Daten über Meereis, Schnee und Atmosphäre werden dazu beitragen, diese Schlüsselregion des globalen Klimawandels besser zu verstehen und Klimamodelle zu verbessern.


Die Expedition

Russische Driftexpeditionen ins Packeis der Arktis finden schon seit 1937/38 statt. Allerdings waren die Expeditionen NP-1 bis NP-34 ausschließlich russische Projekte, koordiniert vom Arctic and Antarctic Research Institute (AARI) in Sankt Petersburg. Erst im Internationalen Polarjahr 2007/08 durfte erstmals ein Ausländer mit auf die Scholle. Die Wahl fiel auf Jürgen Graeser, Wissenschaftstechniker und Experte für atmosphärische Messungen an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts. 

Am 29. August 2007 sind die 21 Expeditionsteilnehmer im sibirischen Tiksi an Bord des russischen Forschungsschiffes "Akademik Fedorov" gegangen, um nach einer geeigneten Eisscholle zu suchen. Nach etwa drei Wochen wurden sie fündig und konnten ihr Expeditionscamp errichten.

Im Laufe des Winters ist die Eisscholle in Richtung Nordwesten über das Nordpolarmeer gedriftet. Nach sieben Monaten auf der Scholle wird Jürgen Graeser  im April 2008 mit dem Forschungsflugzeug "Polar 5" des Alfred-Wegener-Instituts abgeholt. Seine Kollegen werden noch bis September auf der Scholle ausharren und die Messungen weiterführen.


Das Forschungsprogramm

Jürgen Graeser hat sich mit zwei Themen befasst. Zum einen hat er mit dem Fesselballon-System meteorologische Parameter in der so genannten planetaren Grenzschicht - das ist die unterste Schicht der Atmosphäre bis etwa 1500 Meter Höhe - gemessen. Zum anderen hat er Ozonsondierungen durchgeführt, mit denen die Ozonschicht in der Stratosphäre bis in eine Höhe von circa dreißig Kilometern gemessen wird. Die russischen Kollegen haben sich auf den Bereich der oberen Meeresschicht, das Meereis und die Schneebedeckung konzentriert, aber auch meteorologische Größen wie Temperatur, Wind, Feuchte und Luftdruck sowie Spurengase erfasst.


Hintergrund

Die Arktis ist eine Schlüsselregion des globalen Klimawandels. Die Messungen von Meereis und atmosphärischen Größen im Arktischen Ozean sind jedoch noch immer lückenhaft. Mit diesem Projekt wollen die Forscher atmosphärische Schlüsselprozesse identifizieren und die Kopplung von Meereis und Atmosphäre untersuchen. Das Projekt ist eines von vielen innerhalb des Internationalen Polarjahres. Mehr als 50.000 Wissenschaftlerinnen und Techniker aus über 60 Ländern bündeln ihre Kräfte, um die Polargebiete zu erforschen. Ihr Ziel ist es, die Rolle der Arktis und Antarktis für das Klima und die Ökosysteme der Erde zu untersuchen.

 

 

 

 


Links

Jürgen Graesers Expeditionsberichte als Download (4,7MB)

Mehr über das Projekt

Aktuelle Expeditionsberichte

Pressemittleilung vom 18.07.2007

Expeditionstagebuch auf Zeit.de

Leonardo To Go: Graeser auf Eis im WDR 5-Radio zum Mitnehmen

Artikel im Hamburger Abendblatt (27.08.2007)

Radiointerview RBB (02.09.2007)