Mittwoch, 07. Februar 2007

Meine Kammer, deine Kammer

Autor: Janine Bardenhagen

Die ersten beiden Nächte habe ich erstaunlicherweise sehr gut überstanden. Erstaunlicherweise deshalb, weil ich mir nicht vorstellen konnte, bei Seegang auch nur ein Auge schließen zu können. Ich bin fest davon ausgegangen, aus dem Bett, pardon, der Koje zu kullern. Wir haben unsere Kammer mittlerweile gemütlich eingerichtet und fühlen uns schon fast wie zu Hause. Die Enge stört mich nicht wirklich, da hier den ganzen Tag gearbeitet wird und man hauptsächlich nur zum Schlafen in die Kammer kommt. Irgendwie ist mir die Seemannsprache noch nicht ganz geheuer. Dass das Wohn/Schlafzimmer an Bord Kammer heißt und ein Bett Koje war mir klar. Aber warum bitte ist ein Bad eine Nasszelle? Weil es so winzig ist? Ich habe heute nun auch in Erfahrung bringen können, was es mit der ?Barge? auf sich hat. Es ist schlicht und einfach ein kleines Boot. Naja, dann könnte man es auch einfach ?kleines Boot? nennen.

Der Speiseraum an Bord heißt Messe und davon gibt es auf der FS Polarstern sogar gleich zwei. In der Messe I im D-Deck darf in Arbeitskleidung gegessen werden. Sie wird hauptsächlich von der Crew und Wissenschaftler genutzt, die mal schnell in Arbeitskleidung in den Pausen etwas essen wollen. In der Messe II im C-Deck werden die Mahlzeiten in gewöhnlicher, sauberer Bekleidung (einschließlich Schuhe und Strümpfe) eingenommen. Sie ist hauptsächlich für die Wissenschaftler, Kapitän und Offiziere gedacht. Auch die Ingenieure und Elektroniker gehören dazu. Die essen aber in der Messe I, weil sie sich nicht laufend umziehen wollen. Auch der Mannschaft ist es theoretisch freigestellt oben zu essen, im entsprechenden Outfit, versteht sich. Das wollen sie aber aus den verschiedensten Gründen nicht.

Das Essen ist hier wirklich ausgezeichnet und reichlich. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass ich nur am Essen bin (Frühstück, Mittag, Nachmittags-Kuchen, Abendbrot) und trotzdem ständig Hunger habe. Es verwundert mich schon sehr, denn meine Aufgabe an Bord besteht im Moment noch hauptsächlich aus sitzenden Tätigkeiten (in einem der nächsten Blogs, werde ich über die Geo-Arbeitsgruppe und unseren Aufgaben an Bord berichten). Mir wurde allerdings bestätigt, dass es völlig normal ist, weil der Körper viel Energie verbraucht, um den Seegang auszugleichen. Ich hoffe das stimmt auch so, sonst sollte ich mich vielleicht dem Weightwatcher ? Club an Bord anschließen. Ich möchte gerne, dass mich meine Familie am Ende der Expedition wieder erkennt. Ja, so etwas gibt es hier tatsächlich. Was der Club macht und warum es ihn gibt, werde ich demnächst berichten. Ich sende Liebe Grüße in die Heimat von allen hier an Bord, Janine Bardenhagen.


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