Zum Nordpol auf einer Eisscholle: Eine kleine Überraschung
Schon wieder ist eine Woche vergangen. Gerade das wöchentliche Verfassen dieses Blogs macht mich immer wieder darauf aufmerksam, wie rasend schnell die Zeit vergeht. Rein gemessen an der Anzahl der Wochen bin ich nun bereits 6 Monate unterwegs. Das zeigt sich inzwischen aber auch daran, dass das mittägliche Dämmerungslicht nun bereits mehrere Stunden lang wahrzunehmen ist. Nun, vielleicht nicht gerade heute, fegt doch im Moment ein unangenehmer Schneesturm über die Station hinweg. An Außenarbeiten ist da natürlich nicht zu denken. Gut für mich, dass ich gerade erst gestern genügend Eis und Schnee getaut habe, um meinen Trink- und Waschwasservorrat aufzufüllen. Ich habe eine kleine ‚Eismine’ unweit meiner Hütte, wo ich den Rohstoff für Wasser herbekomme. Nun, man schränkt sich dennoch ein, was den Verbrauch an Wasser anbelangt. Ist doch die Gewinnung eines jeden Liters Wasser mit einiger Anstrengung verbunden.
Heute Abend zum Dinner gab es eine kleine Überraschung. Ungewohnt, was die übliche Speisenfolge anbelangt, gab es heute gebratene Fleischspieße, Schaschlik genannt, und ein Glas Rotwein dazu. Welch ungewohnter Kontrast zum Mittagessen z.B., bei dem es Nudeln mit Fischboulette und Pfeffer Soße gab. Meine russischen Kollegen sind hoch erfreut über diese Abwechslung. Schaschlik ist eine außerordentlich beliebte Speise bei den Russen. So wundert es vielleicht ein wenig, dass es dieses Gericht heute zum ersten Mal hier gab. Vielleicht liegt es daran, dass man Schaschlik besser auf dem Grill zubereitet als im Gasherd der Kajut Kompanja.
Bei allen Gelegenheiten hier, bei denen Leute zusammen kommen, hört man immer wieder die Frage, wie lange geht Deiner schon? Ein Schelm, der böses denkt bei dieser Gelegenheit. Es geht schließlich ‚nur’ um unsere Öfen. Ich erwähnte vielleicht bereits schon, dass diese nicht besonders zuverlässig funktionieren. Am Wochenende ereilt es mich einmal wieder… Zwischen Wäsche waschen, Dienst in der Kajut Kompanja und einer abendlichen Geburtstagsparty bin ich damit beschäftigt so nebenbei meinen Ofen reparieren. Die Mechaniker stellen mir allerdings einen regenerierten Brenner zur Verfügung mit dem Versprechen, dass dieser mindestens drei Wochen halten wird. Nun, ich nehme es vorweg, dieses Versprechen, war etwas sehr vollmundig. Bereits am nächsten Tag, kurz bevor meine Freunde Sergej und Andrej zu einem kleinen Umtrunk eintreffen, stellt das gute Teil wieder seinen Dienst ein. Ich kann ihn gerade noch einmal zum Leben erwecken. Sofort sind also wieder die Öfen Thema Nummer Eins bei unserem abendlichen Gespräch. Sergej versichert mir, dass die Funktionsfähigkeit dieser Öfen eine Frage des Glücks ist. Ich kann dies nur bestätigen, funktioniert der Ofen in meinem Wohnhaus doch höchstens eine Woche, während der in meinem Labor so zwischen 4 – 6 Wochen am Stück brennt. Und einige meiner russischen Kollegen ereilt es weit schlimmer, sie müssen ihre Öfen alle zwei bis drei Tage reparieren. Sie sind wirklich extrem sensibel diese Teile. Während ich des nächtens mein Büro bei 35 Grad Raumtemperatur verlasse, kann es passieren, dass ich das Labor am nächsten Tag bei nur 15 Grad wieder betrete. Es reicht einfach, dass sich die Windrichtung oder Windgeschwindigkeit ändert. Man ist ständig am justieren der Lüftungs- und Abzugsklappen sowie der Treibstoffzufuhr. So haben wir hier alle Tage ein Gesprächsthema und können uns gegenseitig unser Leid klagen. Es gab sogar schon Fälle, wo zeitweise um Asyl ersucht wurde, da die eigene Heimstatt einfach zu kalt war.
Ich hoffe, dass ich in der kommenden Woche niemandem mein Leid zu klagen habe, sondern wieder das eine oder andere interessante zu berichten vermag. In diesem Sinne verweise ich dann auf die nächste Woche an gleicher Stelle.
Abschlussbemerkung; ich schaffe übrigens den regenerierten Brenner schnell wieder zurück zu den Mechanikern, nachdem dieser dann bereits nach 8 Stunden ein weiteres Mal den Dienst quittiert hatte. Nun tut es mein alter Brenner immerhin schon seit 5 Tagen…
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