Der Berg ruft
Das stimmt mich dann doch nachdenklich. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, weil die Expedition schon zur Hälfte um ist. Die Arbeit und das Leben an Bord, zusammen mit der klasse Crew und den anderen Wissenschaftlern, macht unheimlich viel Spaß. Die Zeit ist rasend schnell vergangen und in dieser kurzen Zeit, habe ich schon so viel erfahren, wie nie zuvor in meinem Leben. Gleichzeitig kommt in mir aber auch immer häufiger die Sehnsucht nach zu Hause hoch, vor allem, wenn ich mitbekomme, wie sehr ich doch in der Heimat vermisst werde. Nicht nur mir scheint es so zu gehen. Je näher das Bergfest in den letzten Tagen kam, umso häufiger hat man nachdenkliche Gesichter an Bord gesichtet. Grübelnd, vielleicht mit den Gedanken gerade zu Hause, geht es in Gesprächen immer öfter um das "normale" Leben außerhalb dieser Expedition.
Ich denke für uns alle hier an Bord, kam das Bergfest, eine kleine Feier mit Musik und gutem rustikalen Essen, genau richtig. Mal wieder über andere Dinge, als über die Arbeit reden, einfach mal abschalten und neue Energie tanken für die zweite Hälfte der Expedition. Für uns Geologen wird gerade diese Hälfte, eine sehr arbeitsintensive Zeit sein.
Wir hatten heute einen relativ ruhigen Tag, d.h. keine Stationen, dafür Kerne schlachten, Aufräumarbeiten und die normale Parasound-Schicht. Ich habe die letzten gezogenen Kerne auf der Messbank gemessen und war dann zufällig nachmittags genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um mitzubekommen, wie der Wetterballon der Polarstern in die Lüfte steigt. Ich war noch eine ganze zeitlang draußen und habe die Dämmerung an diesem erstaunlich warmen Tag (0°C) in der Antarktis genossen, bevor es dann hieß, die zweite Hälfte der Expedition zu begrüßen. Liebe Grüße nach Deutschland vom Polarstern-Team sendet Janine Bardenhagen.
Fotos: J. Bardenhagen/Alfred-Wegener-Institut
< zurück zur Übersicht