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Hintergrund

CASE 11-Pearya wird zwei geowissenschaftliche Hauptdisziplinen abdecken: Strukturgeologie und Geophysik (Aeromagnetik). Hauptaufgabe der Expedition ist die Erforschung der „lokalen“ geologischen und strukturellen Architektur und Evolution eines Krustenfragments am äußersten Nordrandes des kanadischen arktischen Archipels (= Pearya) während des letzten 1.000 Millionen Jahre. Um die Zugehörigkeit Pearyas und seine plattentektonische Position und Drift zwischen dem amerikanischen und dem eurasischen Kontinent beantworten zu können, ist es notwendig, die Sedimentation und Beckenentwicklungen, die Geschichte der Deformationen und Metamorphosen der Erdkruste und den strukturellen Aufbau des heutigen passiven Kontinentalrands Nordamerikas im Vergleich mit Spitzbergen zu studieren. Diese Untersuchungen und die Vergleiche der heute voneinander getrennten Kontinentränder (Svalbard einerseits und Grönland/Pearya andererseits) sind fundamental, um die Prozesse des Zerfalls von Laurasia und die folgenden Entwicklungen der Kontinentalplatten und der Ozeanbecken verstehen zu können, die zu der arktischen Geographie geführt haben, die wir heute kennen.

CASE 11-Pearya wird den Übergang vom Land auf den eis- und wasserbedeckten Kontinentalschelf abdecken und wird die strukturgeologischen Arbeiten an Land mit der aeromagnetischen Befliegung, die sowohl über Land als auch über dem angrenzenden Schelfgebiet durchgeführt werden wird, kombinieren. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die Anomalien des erdmagnetischen Feldes, die an Land geologisch direkt interpretiert werden können, jenseits der Küste auf den Kontinentalschelf hinaus zu verfolgen. Die „Eichung“ der Geologie und der Geophysik an Land ist eine wichtige Methode, um Aussagen über den Aufbau des angrenzenden Schelfgebiets machen zu können.

Rekonstruktion der Lage von Ellesmere Island, Grönland und Spitzbergen zueinander vor etwa 50 Millionen Jahren, bevor Spitzbergen sich von Nordgrönland getrennt hat, um in seine heutige Position zu driften

In der Vergangenheit haben Geologen des Geological Survey of Canada geologische Kartierungen in Pearya durchgeführt und die Basis für die Stratigraphie und die tektonische Entwicklung von Pearya geliefert. Da dieser Kontinentalsplitter jedoch ein relativ großes Gebiet darstellt und logistisch äußerst schwer erreichbar ist, sind bis heute viele Fragen offen geblieben, die vor allem die Korrelation der paläozoischen Metasedimente, die strukturelle Entwicklungsgeschichte dieser komplexen kontinentalen Mikroplatte und seiner Herkunft betreffen. Zwar besteht generell Übereinstimmung, dass Pearya vor dem Oberdevon/Unterkarbon nicht zum nordamerikanischen Kontinent gehörte, aber die Frage, ob und wie Pearya stattdessen mit Eurasien verbunden war, ist eines der Hauptziele der Expedition CASE 11-Pearya.

Ein weiteres wichtiges Ziel von CASE 11-Pearya betrifft die jüngere Erdgeschichte während und nach dem Zerfall des Nordkontinents Laurasia seit mehr als 80 Millionen Jahren und die Bildung der arktischen Ozeanbecken. In Pearya sind mehrere bedeutende Störungszonen parallel zum heutigen passiven Kontinentalrand aufgeschlossen. Die Rolle dieser Störungszonen, ihr Ursprung, der Zeitraum ihrer Aktivität und ihre möglichen Verbindungen mit anderen großen arktischen Störungszonen im südlichen Ellesmere Island (Vendom Fiord Fault Zone), in Nord-Grönland (Harder Fiord Fault Zone) und auf Svalbard (Billefjorden Fault Zone, Lomfjorden Fault Zone) ist eine Voraussetzung für die Interpretation der Öffnung des Arktischen Ozeans und die Entwicklung des passiven Kontinentalrands Nordamerikas.